Eintritt frei
Eintritt frei
Eintritt frei
Kartentelefon [03741] 2813-4847/-4848
Kontakt Zwickau
Kartentelefon [0375] 27 411-4647/-4648
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Bis zu diesem Tag hatten die Nazis dort über anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder ermordet. 1996 wurde der 27. Januar auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im November 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag zusätzlich zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Anlässlich des Gedenktags veranstaltet das Theater Plauen-Zwickau eine Lesung des Monologs
Rike Reiniger:
Mit gefesselten Fäusten –
Triumph und Tragödie eines Sinto-Boxers
Ihre Freundschaft beginnt mit einem Apfel, und sie endet mit einem. Hans ist 12 Jahre alt, als er Ruki kennenlernt. Ruki, den alle nur den „Zigeuner-Boxer“ nennen, dabei heißt er Wilhelm Weiss und möchte am liebsten Ruki gerufen werden. Als Hans’ alleinerziehende Mutter, die Alkoholikerin ist, seinen 12. Geburtstag vergisst, ist es Ruki, der Hans sein einziges Geschenk gibt: einen Apfel. Als Hans und Ruki sich zwei Jahre nach ihrer Apfel-Begegnung zum ersten Mal wiedersehen, beginnt eine Freundschaft, die ihre Jugend bestimmen wird. Hans ist blond, wird mit 14 Jahren Vollwaise, und hat eine Wut im Bauch – Ruki ist dunkelhaarig, hat eine große Familie, die ihn liebt, boxt im Verein und verfolgt den Grundsatz: „Wut kann helfen, muss aber nicht. Im Ring brauchst du Schläge, die von Herzen kommen.“ Hans tritt ebenfalls dem Boxclub BC Borussia bei, doch Ruki wird bald der Star des Vereins. Er gewinnt alle Kämpfe. Altstadt-Meister, Regional-Meister, Nordwestdeutscher-Meister – und niemand trainiert so hart wie Ruki. Hans bewundert ihn. Gemeinsam feiern sie Rukis Siege, machen mit zwanzig ihre erste weibliche Bekanntschaft und ziehen durch die Kneipen. Doch dann kommt der Tag, an dem Ruki für den Boxverband nicht bei Olympia im Amsterdam antreten darf. Der „Zigeuner-Boxer“ darf nicht für Deutschland antreten. Dann verschwinden die Zeitungsartikel über seine Siege am schwarzen Brett und plötzlich siegt er offiziell auch nicht mehr. Hans muss hilflos mit ansehen, wie sein Freund von der erstarkenden NS-Regierung diskriminiert wird, geschlagen wird, unsichtbar gemacht wird. Oder ist er doch nicht so hilflos?
Rike Reiniger hat die Biografie der historischen Persönlichkeit des Boxers Johann Trollmann in einer fiktiven Nacherzählung greifbar gemacht. Sprachgewaltig und eindrücklich erzählt sie von der sozialpolitischen Stigmatisierung des jungen Boxers aufgrund seiner Abstammung aus der Perspektive seines besten Freundes und schlägt auf diese Weise den Bogen in unsere heutige Zeit. Welche Verantwortung tragen wir für die Menschen in unserem Umfeld? Was können wir tun, wenn jemand, den wir kennen, aufgrund seiner Ethnie, Hautfarbe, Sexualität oder Religion soziale Ausgrenzung erfährt?
Aufführungsrechte Drei Masken Verlag, München