Jeeps
Was man zur Erbschaftssteuer(reform) wissen muss, laut Gabor Farkas (Ihrem Sachbearbeiter in der Leistungsgewährung):
Bis zu 400 Milliarden Euro werden jedes Jahr vererbt. Das klingt nach viel -- ist es auch! Der Staat sieht allerdings fast nichts davon.
Die Zahlen im Überblick:
- Im Jahr 2024 wurden offiziell 113,2 Milliarden Euro vererbt (Schätzung des DIW). Die Dunkelziffer ist aber höher, ungefähr 400 Milliarden Euro.
- 13 Milliarden Euro nahm der Staat daraus an Erbschaftssteuer ein -> das sind gerade Mal 11,48% (bzw. 3,25% bei dem Dunkelzifferbetrag).
- 75% der deutschen Milliardäre haben ihr Vermögen geerbt -- international sind es nur 33%.
- 54 % der Deutschen empfinden die bestehende Erbschaftssteuer als zu hoch, weil sie hoffen, selbst mal etwas zu erben, obwohl die Hälfte der deutschen Bevölkerung im Durchschnitt in ihrem ganzen Leben nichts erbt.
Warum Firmenerben fast nichts zahlen:
Wer eine Firma erbt, kann sich oft zu 85 oder sogar 100% (!) von der Steuer befreien lassen. Dafür gelten 3 Bedingungen:
1.) Der Betrieb wird 5 bis 7 Jahre weitergeführt
- 2.) Die Löhne werden in ähnlicher Höhe weitergezahlt
- 3.) Es darf nicht zu viel unproduktives Vermögen (Oldtimer, Kunst, Bankguthaben) zum Unternehmen gehören
Wie sieht es dann in andern Ländern aus?
Schweiz: keine bundesweite Erbschaftssteuer (Kantone entscheiden), zum Teil gibt es das Erbe sogar steuerfrei. Der Vorschlag, große Erbschaften ab 50 Millionen Franken landesweit zu besteuern, verhinderte im November 2025 eine Volksabstimmung.
USA: haben eine Freibetragsgrenze (Beträge bis 14 Millionen Dollar sind steuerfrei) zwischen Ehepaaren sogar bis 30 Millionen Dollar, über dieser Grenze gilt ein 40%er Steuersatz.
Österreich: hat die Erbschaftsteuer 2008 abgeschafft.
Aktuelle Debatte um eine Erbrechtsreform
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) empfindet die aktuelle Erbschaftslage als Verstoß gegen das Leistungsprinzip. Wer nicht mit der Aussicht auf ein Erbe auf die Welt gekommen sei, könne der Beste in der Schule und im Beruf sein und sich trotzdem keine Wohnung in Berlin leisten, Erben dagegen oft schon. Die SPD hat sich deshalb für eine „effektive Mindestbesteuerung für große Betriebsvermögen“ ausgesprochen. Sie schlägt vor, dass Firmen nur noch einen Freibetrag von 5 Millionen Euro bekommen. Höhere Werte sollen progressiv besteuert werden. Bundeskanzler Friedrich Merz möchte jedoch nicht, dass durch eine Erbschaftsteueränderung bei Familienbetrieben die Insolvenzgefahr steige. Die CDU hält den Vorschlag der SPD für das falsches Signal an Unternehmen in Zeiten der Rezession. Die AFD möchte die Erbschaftssteuer ganz abschaffen. Über die Frage, ob die oft steuerfreie Vererbung von großen Firmenvermögen verfassungskonform ist, soll demnächst ein Urteil des Bundesverfassungsgericht entscheiden.
...Macht erben dann faul?:
Nein. Die meisten arbeiten weiter wie vorher. Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit im Schnitt um 1 bis 2 Stunden. Erben gründen außerdem häufiger Unternehmen, laut einer Studie von Doorly und Pestel.
Aber ist erben denn fair?:
Auch nein. Es gewinnt, wer in der Eierstocklotterie am meisten Glück hatte. Fast die Hälfte des vererbten Reichtums ballt sich bei 10% aller Erbfälle. Deutschland ist hier ungleicher als der OECD-Durchschnitt. Eine Studie der US-Notenbank brechnete, dass bei einer Umverteilung des Erbes der USA das reichste Zehntel dann nicht mehr 67%, sondern nur noch 40 bis 57% des Gesamtvermögens besitzen würde.
Nora Abdel-Maksoud lässt diese Idee der Umverteilung in ihrem Stück "Jeeps" Realität werden. Die Dramatikerin entwirft die Utopie einer Gesellschaft, in der das Vermögen einer verstorbenen Person verlost wird. Um ein solches Erbschafts-Los gewinnen zu können, müssen alle Interessierten im Job-Center einen Antrag stellen. So auch Silke, eine Enterbte, die sich um das Vermögen ihres Vaters betrogen fühlt und nun mit einem Los ihr Erbe zurückhaben möchte, um ihr Start-Up auch zukünftig zu sichern.
Wenn Sie Interesse haben zu dem Thema weiter zu forschen, siehe unter:
Blickle, Paul et. al.: Wie wohlhabend sind Sie?. In: Die Zeit vom 24.03.2022. Online unter: https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-02/soziale-ungleichheit-armut-reichtum-schichten-rechner studie-deutschland.
Rudzio, Kolja/Richter, Ricarda/Rohwetter, Marcus: Die große Bescherung. In: Die Zeit vom 07.12.2025. Online unter: https://www.zeit.de/2025/52/erbschaftsteuer-vermoegen-freibetraege-unternehmen-ungleichheit.
Pletter, Roman (2025): Ist Erben gerecht?. In: Die Zeit vom 07.12.2025. Online unter: https://www.zeit.de/2025/52/erbschaftsteuer-gerechtigkeit-familieneigentum-vermoegen betriebsvermoegen/komplettansicht.